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Fünf Euro für die Demokratie


Ich habe die Partei die "Partei“ in den letzten Tagen etwas vernachlässigt. Dabei hatte sie diese geniale Idee, ihr einziges und erstes Wahlplakat in Bremen an meinen Gartenzaun zu nageln. „Ehrliche Politik für ehrliche Bürger“ steht drauf, und darunter hing ein verführerischer, echter 20 Euro Schein. Der überlebte nicht einmal 24 Stunden – abgepflückt von 100cm großen Tätern, die vom Nachbarn beobachtet, aber aus Kinderschutz-Gründen nicht gestellt wurden.

Mein Glaube an die Demokratie ist größer als mein Geiz. Also habe ich beschlossen, nachzurüsten. Nun waren die Täter Kinder, und „Partei“-Spitzenkandidat Serdar Somuncu hat den Diebstahl an meinem Gartenzaun schwer verurteilt: „Tatort Straße ... und die Täter waren Mal wieder nicht strafmündig“ ließ er per „Partei“-Pressemitteilung verlauten. Der Kancler-Kandidat hat natürlich Recht. Logisch, dass nun auch „Strafunmündige“ geradestehen müssen. Vorgestern Nacht habe ich das Sparschwein meiner anderthalb Jahre alten Tochter geplündert und einen 5-Euro-Schein entwendet – in der festen Überzeugung, dass Kinder lernen müssen, dass sie sich nicht als Banden gegen die Demokratie vereinen dürfen. Den Schein habe ich kurzerhand über die Leerfläche am „Partei“-Plakat getackert.

Dieses vorweg: der Fünfer hat länger überlebt als der 20 Euro-Schein. Ungefähr 34 Stunden und 30 Minuten. Die Täter wurden dieses Mal nicht gestellt. Dafür aber gibt es wesentliche Erkenntnisse über unsere Demokratie:
  • Man muss einfach weniger Geld aufwenden, damit das Vertrauen in die Politik ehrlicher bleibt.
  • Je kleiner die Verlockung desto größer das Projekt Ehrlichkeit.
  • Und irgendwie scheint es den Leuten Spaß zu machen, Serdar Somuncu das Geld aus der Tasche zu ziehen.
  • Wähler sind schon mit weniger zufrieden als ihre Politiker.
Ich werde die nächsten Tage noch einmal nachrüsten. Aber dann werde ich – versprochen – das Plakat endlich höher hängen.

Wer weiß, ob der neue Schein unser Fest #demokratieanmeinemgartenzaun am 15.September um 14:30 überleben wird (Bremer Spitzenkandidaten feiern mit uns im Norbert Lammertschen Stil die deutsche Demokratie!). Ich habe auf jeden Fall vorgesorgt: Der Kaffee ist gekocht, das Bier gekauft und der Kuchen wird bestellt. Nichts davon wird an das Plakat der „Partei“ getackert, sondern an ehrliche Bürger mit Recht auf ehrliche Politik verteilt.



Kommentare

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Der Große Plakat-Qualitäts-Check

Irgendwie sind sie mir ans Herz gewachsen, die Plakate der Kandidatinnen zur Bundestagswahl – ich hege und pflege sie wie ein Haustier. Jeden Morgen bin ich auf Gartenzaun-Kontrollgang. Meist ist alles gut. Aber nach fast zwei Wochen #demokratieanmeinemgartenzaun gibt es erste Verfalls-Anzeichen. Besonders hart hat es das Plakat der GRÜNEN getroffen, das ja schon vom Laternenpfeiler an den Zaun umziehen musste. Ich habe heute eine Generalüberholung aller Plakate vorgenommen und sie auf Leib und Seele nach ihrer Wahlkampftauglichkeit überprüft – natürlich nicht die Inhalte, sondern nur ihre Material-Qualität. Hier das unbestechliche Test-Ergebnis:





23 Stunden und 39 Minuten ehrliche Politik

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