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Nachtgespräch am Gartenzaun

Als ich heute aus Hamburg zurückgekommen bin, war es spät, und ich habe noch Mal nachgeschaut, was so an meinem Gartenzaun los ist. Und mir war, als hätte ich Stimmen gehört:

Elisabeth Motschmann: Toll, jetzt hängen wir hier in Arbergen rum, mitten im Sozen-Viertel.

Sarah Ryglewski: Dass ich das noch erlebe: #Motschieklebt. #Motschieimsozenviertel #Motschieamgartenzaun.

Elisabeth Motschmann: Sehr amüsant, Frau, äh ... egal. Zu verdanken haben wir das natürlich wieder Mal den Grünen. Die Grünen sind immer an allem Schuld!

Kirsten Kappert-Gonther: Ach, Frau Motschmann, ich kann diese Leier nicht mehr hören, vielleicht ist Arbergen nicht so schön wie Horn oder das Viertel, aber wenn Sie Bremen weiterhin in Berlin vertreten wollen, müssen Sie endlich Mal lernen, das Positive zu sehen, das Grüne in allen den roten Zahlen. Vielleicht haben die hier draußen keinen öffentlichen Nahverkehr,  kaputte Straßen und beschissene Schulen, aber – hey – der Hund, der eben an Ihr Plakat gepinkelt hat, Frau Motschmann, der hatte durchaus Geschmack.

Elisabeth Motschmann: Sie hatten noch nie Niveau, Frau Kappert-Gonther.

Kirsten Kappert-Gonther: Ich könnte das nun natürlich psychologisch analysieren, aber ...

Doris Achelwilm: Ich habe Hunger!

Sarah Ryglewski: Warum hast Du Dich eigentlich so weit weggehängt von uns, Doris?

Elisabeth Motschmann: Die Linke kann gar nicht weit weg genug hängen: Mahndof, Achim, Hannover – Russland!

Sarah Ryglewski: Ich finde, ein bisschen näher könnten wir uns schon kommen, Doris, rück doch Mal nen Stück rüber.

Doris Achelwilm: Rück doch selber rüber, du angeberisches Großplakat! Ich bin das kleinste Plakat von uns allen und habe den größten Hunger – aber Euch interessiert das mal wieder nicht. Ist doch klar! Ich fordere gleiche Rechte für das kleine Plakat!

Elisabeth Motschmann: Hat das Fräulein von der Linken etwas gesagt? Ich hänge so weit weg.

Doris Achelwilm: Kirsten, bist Du wenigstens ein essbares Wahlplakat?

Elisabeth Motschmann: Das wäre es gewesen: Essbare Wahlplakate. Aber darauf seid Ihr ja Mal wieder nicht gekommen. Stattdessen erfindet Ihr lieber die essbare Stadt! Wie wäre es mit essbaren Schulden, liebe Grüne? Dann würden in Bremen bald sogar die Linken satt werden.

Kirsten Kappert-Gonther: Vielleicht kommt Ralph ja gleich mit meinem Wahlfahrrad und einem Coffee-to-ride vorbei.

Elisabeth Motschmann: Mit Ihrem Viertel-Hipster-Slang, Madame Kappert-Gonther, kommen Sie hier in Arbergen sicher nicht weiter.

Sarah Ryglewski: Ihr Grünen vergesst bei Euren Wahl-Großveranstaltungen ja sogar das Mikrofon. Der Martin dagegen, der ist auf dem Marktplatz durch die Massen gewandelt – wie ein echter Messias!

Elisabeth Motschmann: Für den ist aber immer noch mein Mann zuständig, liebe Kollegin der SPD. Außerdem, als Angela Merkel mir vor ganz Bremen auf die Schulter geklopft hat, waren viel mehr Leute da! Habt Ihr das gesehen? Es war der vollste Marktplatz, sogar voller als bei, als bei, als bei ... Donald Trump. Und als die Angela ...

Alle anderen: Aufhören!

Doris Achelwilm: Sag Mal Kirsten, wieso hieß das in Bremen eigentlich „Café-Chem“ und in Hamburg „Bier mit Özdemir?“ – Wäre mir viel lieber!

Elisabeth Motschmann: Ja, und dann mit Astra, was, Fräulein! Sie werden eben nie eine echte Patriotin! Wo ist eigentlich die Lencke?

Sarah Ryglewski: Ich vermisse sie nicht.

Doris Achelwilm: Wahrscheinlich schaut die auf ihr Telefon und checkt gar nicht, dass die neue Tugend die Ungeduld am Gartenzaun ist.

Kirsten Kappert-Gonther: Oder sie verkauft nen Thermomixer!

Doris Achelwilm: Vielleicht bringt sie was zu Essen?

Elisabeth Motschmann: Hat jemand der Damen eine Zigarette für mich?

Kirsten Kappert-Gonther: Schauen Sie sich um, wir sind von Gras umgeben...

Elisabeth Motschmann: Da beiß ich lieber rein, als das zu rauchen!

Sarah Ryglewski: Mir ist langweilig...

Mir auch, und zu Hause wartet die Familie – ich lasse die Damen erst einmal allein für die Nacht...

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